Vesperkirche aktuell

Dreiundzwanzigste Ulmer Vesperkirche
11. Januar bis 07. Februar 2018

Geöffnet von 11:00 Uhr bis 15:30 Uhr
Mittagessen von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr

Eine warme Mahlzeit und Begegnungen in festlicher Atmosphäre

Gottesdienste und Segenswort

Am Mittwoch, 10. Januar 2018 feiern wir den Oekumenischen Abendmahlsgottesdienst zur Eröffnung der Vesperkirche um 19:00 Uhr in dem bereits als Vesperkirche eingerichteten Kirchenraum.

Die Gottesdienste der Paulusgemeinde werden an den vier Sonntagen jeweils um 10:00 Uhr an den Tischen der Vesperkirche gefeiert – am Sonntag, 04. Februar 2018 mit Heiligem Abendmahl, gemeinsam mit den Konfi3 - Kindern.

Das Segenswort auf den Weg wird in der Vesperkirche täglich um 15:00 Uhr von sich abwechselnden Liturgen gesprochen. Dabei musizieren Instrumentalisten aus Ulm und Umgebung.

Eine Oekumenische Gemeinde lädt ein

Zum dreiundzwanzigsten Mal öffnen sich die Türen der Evangelischen Pauluskirche in der Ulmer Innenstadt, mitten im Winter und dann, wenn die Weihnachtskerzen erloschen sind und die Kälte in die Knochen kriecht, Tag für Tag, einen ganzen Monat lang. Aus der Pauluskirche wird dann die Vesperkirche und bleibt doch Gotteshaus. „Vesper“ meint dabei nicht nur das kräftige schwäbische Vesper, sondern auch die „Vesper“, das abendliche Stundengebet. Das also, wo sehr unterschiedliche Menschen miteinander essen und lachen, reden und friedlich zusammenkommen, dabei von ihrem Leben erzählen, wo sie einander ermutigen und den Segen Gottes zusprechen. Eine tolle, bunte Vielfalt von Menschen, die sich und ihre Geschichten einbringen, die geben und nehmen, wo unten und oben keine Rolle spielen. Das auch, wo wir hilfreich sein können, um Menschen aufzurichten und ihnen Hoffnung zu schenken.

Das Motto

Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass Du Dich seiner annimmst?

Was ist der Mensch?!

Mit dieser zweimal wiederholten verzweifelten Frage eines todkranken Kriminalkommissars, der sich vor Schmerzen krümmt, kurz nachdem er den wohl letzten Triumpf seines Berufslebens feiern durfte, mit dieser biblischen Frage also endet eine berühmte Erzählung von Friedrich Dürrenmatt.

Was ist der Mensch? fragte der Philosoph Blaise Pascal etwa zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und versucht eine Antwort: „Weder Engel, noch Bestie“ - aber von beidem etwas. Krone der Schöpfung mit all seinen Spitzenleistungen, zugleich aber auch ihre entscheidende tödliche Dornenkrone.

Man denke nur an die Entdeckung und Entfesselung atomarer Kräfte.

Was ist der Mensch angesichts von Auschwitz und Grafeneck - und angesichts des geschnitzten Wunderwerks des Münsterchorgestühls?

Es gibt keine eindeutige Antwort.

Aber es ist auch nicht gut, mit Verzweiflung und Bestürzung einerseits und mit Hochmut und Arroganz allein zu bleiben.

Denn die Mischung von beidem ist typisch für uns Menschen. Eine explosive Mischung. Die Spannung nämlich zwischen Selbstüberschätzung und Lebensmüdigkeit macht uns taumeln. Oder wir versuchen, nicht weniger verzweifelt und verkrampft, die Mitte zu suchen zwischen beiden, indem wir das „himmelhochjauchzend“ und das „zu Tode betrübt“ zugleich meiden, ein laues halb-lebiges Leben.

Was ist der Mensch?

Noch einmal: Es tut gut, mit dieser Frage nicht allein zu bleiben. Sie mit andern zu teilen. Und vor allem sie vor Gott zu bewegen.

Um die ganze zwiespältige Spannung der Antworten immer wieder auszuhalten.

Zum Beispiel in der Zeit der Vesperkirche vor den brennenden Kerzen und dem Gekreuzigten, dem Leidensgenossen und Überwinder.

Wir hätten keine Kunde von ihm und keine Kultur seiner Barmherzigkeit, wenn er mit dem Schrei der Gottverlassenheit allein geblieben wäre.

Adelbert Schloz-Dürr

Wer kommt in die Vesperkirche?

Das Dach unserer Kirche spannt sich weit. Unter diesem Dach setzen sich Menschen an einen Tisch, deren Lebensschicksale denkbar unterschiedlich sind. Die Vesperkirche ist eine gastfreundliche Herberge auf Zeit für Junge und Alte, Arme und gut Betuchte, neugierige Zufallspassanten, aber auch - und das macht den besonderen Charme aus - für die, die in gesicherten Verhältnissen leben und sich einlassen auf eine Erfahrung, die ihnen selbst bislang erspart geblieben ist. Wir möchten damit deutlich machen, dass wir als Gesellschaft zusammengehören, dass wir uns gegenseitig wahrnehmen, und dass wir voneinander wissen wollen.