Ausstellung »ORTE DER ERINNERUNG IN ULM«

Die Pauluskirche war eine Garnisonskirche und ist, wenn auch zu einem kleinen Teil, auch heute noch eine Kirche für Soldaten. Und unsere Stadt war über Jahrhunderte hinweg eine Soldaten- stadt, und ist es zu einem nicht geringen Teil noch heute.

Was Wunder, wenn man in fast allen älteren Teilen der Stadt auf Denkmäler zweier Kriege stößt.
So sehr und häufig, dass sie kaum mehr wahrgenommen werden. Eine Initiative engagierter und passionierter Fotografierender hat sich nun, fachkundig begleitet von der vh Ulm, für das Jahr 18, hundert Jahre nach dem Ende der ersten Völkerkatastrophe, zum Ziel gesetzt, diese Denkmäler wahrzunehmen, und zwar in ihrer heutigen Umgebung. Inspiriert wurden sie dazu auch und gerade von unserem Paulus-Jahresthema „Orte lebendiger Erinnerung“. Ihre fotografischen Wahrnehmungen werden im Rahmen einer großen Ausstellung unter den Arkaden unserer Pauluskirche zu sehen sein.

Ob vielleicht gerade Theodor Fischer, der Architekt, von einer solchen Initiative angetan gewesen wäre?

Zeigte er sich doch schon 1916 in einem Brief an das Kriegsmi- nisterium in Stuttgart davon überzeugt, dass „...der Kirchenraum (gleichgültig wie er sonst künstlerisch beurteilt werden mag) sich so sehr zur Anbringung von Erinnerungsmalen, Trophäen und Ähnlichem eignet, dass der Gedanke einer Kriegsgedächtniskirche sich beinahe von selbst darbietet.“

Noch war, mitten im damals grausam stagnierenden Kriegsge- schehen, die Siegeshoffnung so groß, dass selbst ein nüchterner Zeitgenosse wie Fischer noch oder schon an Trophäen, also Zeichen des Siegs dachte.

Es sollte ganz anders kommen: Die meisten der nach dem ersten Weltkrieg gestalteten Kriegsdenkmäler versuchten, dem sinnlosen massenhaften Sterben der in den Tod geschickten oft blutjungen Menschen einen heldenhaften Sinn zu geben.

Nicht wenige Denkmäler sind sogar darüber hinaus ideologische Saat neuer Gewalt und eines zweiten Krieges, indem sie der Niederlage mit dem Ruf nach Revanche und Vergeltung und mit sog. „Dolchstoßlegenden“ eine Art höheren Sinn zu geben versuchen: Deutschland sei eigentlich unbesiegt aus dem Felde gekommen und nur die pazifistischen friedenssehnsüchtigen Politiker der neuen Republik hätten mit Kapitulation und demüti- genden Friedensschlüssen (Versailles!) die eigentliche Niederlage besiegelt.

In allen Fällen wird die Trauer überspielt und an den Rand gedrängt, Trauer, die biblisch gesprochen allein zur Umkehr führt Beispielhaft steht dafür der zurecht vielkritisierte martialische Michael im Ulmer Münster, ja die Inszenierung der gesamten dortigen sog. „Ehrenhalle“ mitsamt dem Totenbuch und den Regimentsfahnen.

Es gab damals aber auch, vor allem aus den Reihen von Künstlern und Bildhauerinnen von Rang wie Lehmbruck, Barlach und Kollwitz Alternativen. Auch ihnen soll im Fischerkabinett der Pauluskirche Raum gegeben werden. Und eine ganz die Trauer um die toten Soldaten in den Vordergrund stellende Gedenkstätte, ein Altar (siehe Foto), befindet sich in unmittelbarer Nachbar- schaft, in St. Georg!

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