Liebe Gemeindeglieder,

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen!

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen!

Das ist und war schon immer mindestens seit meiner Konfirmandenzeit mein Lieblingsweihnachtslied. Ich finde, besser als hier durch Paul Gerhardt kann das Geheimnis des menschlichen Lebens, auch meines eigenen, nicht umschrieben werden. Wohlgemerkt: um-schrieben.

Denn ich (er)fasse es nicht. Das Lied selbst ist in der ganzen Zugigkeit und Kälte des Lebensstalls wie eine Krippe – als Wiege, um zu bergen: nämlich die Erfahrungen des Glücks, die Anfälle der Verzwei ung, Sagenhaftes also wie Unsägliches, ferner die alltägliche Neigung zur Undankbarkeit, die nicht auflösbaren Widersprüche, unser Hineingeworfen in die große Namenlosigkeit des Alls – und die große Verheißung, dass wir im Letzten unverloren sind, zwar zugrunde gehen, aber eben zum Grund.

„Dies Kind soll unverletzet sein“ – das Staunen darüber, immer wieder, ist ein Gefühl wie Weihnachten.

Das kommende Jahr 2018 wird unter dem Jahresthema: „Orte lebendiger Erinnerung“ stehen.

Es wird u.a., seitens der vh, eine Fotoausstellung mit den Kriegsgedächtnisstätten in Ulm geben: Ulm als Soldatenstadt. Genauso wichtig sind aber persönliche Erinnerungsgegenstände: z.B. Postkarten eines Soldaten aus dem ersten Weltkrieg, Gefallenenmeldungen an Angehörige, kurz: persönlichere Zeugnisse aus der Zeit um 1918. Über Hinweise bin ich dankbar. Hier meine E-Mail: ed.wkle@rreuD-zolhcS.trebledA

Eine gute Jahresmündung in den Advent hinein wünscht

 

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