Liebe Gemeindeglieder,

auch mir, mit meinen berufsbedingten altgriechischen Sprachkenntnissen, geht es nicht selten so: ich wollte „ökumenisch“ sagen und machte „ökonomisch“ draus...

Die Ökonomie scheint uns näher zu liegen. Das Kapital und die Gesetze seines Verkehrs haben uns gut im Griff.

Beide Begriffe sind einander ja zum Verwechseln ähnlich. Denn beidesmal geht es um das eine Haus: griech. Oikos.

Und zugleich liegen Welten zwischen den beiden Sphären „Welthausgemeinschaft“ und „Hauswirtschaft in der einen Welt“.

Immer wieder wird mir dies klar, wenn ich über unsere hiesige Hausgemeinschaft dreier Gemeinden und dreier Konfessionen unter dem einen Dach der Pauluskirche nachsinne.

Und vor allem, wenn ich unser inzwischen inter-nationales farbenreiches Plätzlesfest miterlebe und mitgestalte. Zwei Beispiele:

Griechen und Deutsche kommen im ökonomisch zerrissenen Europa kaum zusammen. Aber unter dem Dach der Paulus- gemeinde.

Ein leitendes Mitglied der eritreeischen christlich-orthodoxen Gemeinde hat sich neulich ausdrücklich bedankt für die in seinen Augen keineswegs selbstverständliche Gastfreundschaft und sich beschämt über den, seines Erachtens geringen, aber für die Gemeinde selbst nicht unbeträchtlichen freiwilligen finanziellen Beitrag geäußert und fast dafür entschuldigt.

Ich musste unwillkürlich an das biblische Scherflein der Witwe in Jesu Gleichnis denken.

Kann ökumenisch zusammenkommen, im gerechten, fairen Teilen, was ökonomisch zer-teilt wird? Es ist ja nicht gut, dass der ohnehin schon wohlhabende, klimatisch und historisch begünstigte kleinere Teil der einen Welt sich wie selbstverständlich den Hauptanteil am „Kuchen“ der Ressourcen gleichsam unter den Nagel reißt. Denn so funktioniert Weltwirtschaftsgemeinschaft bekanntlich.

Und so „funktioniert“ sie auch auf der lokalen Ebene unserer Sozialsysteme.

Auch hier sah Jesus sehr klar: „Wer da hat, dem wird gegeben, wer da nicht hat, dem wird genommen“. Aber „So soll es unter euch nicht sein“.

Und deswegen ist „unsere“ Vesperkirche eine – beileibe nicht die einzige – ökumenische Antwort auf die ökono- misch immer weiter auseinandertretende soziale Schere.

Ökumene soll die Misere der Ökonomie nicht „überspielen“. Sonst wäre sie Opium des Christenvolkes.

Aber Ökumene darf auch etwas fröhlich „spielen“, was um Gottes Willen ins weltweite Spiel kommen soll.

Komm Schöpfer Heiliger Geist!

Ihr

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