Liebe Gemeindeglieder,

Vom Festen und Fasten

Fasnacht und Fastenzeit:
Das verbindet sich dieses Jahr mit dem März.

Erst Festen, dann Fasten.

Das sind die alten Rhythmen des Lebens. Sie geben der Jahreszeit ein Gesicht und dem Leben eine Struktur. Bis in die Sechziger-Jahre begann in der von den Vereinten Nationen verbindlich gemachten Weltordnung mit dem Sonntag, dem siebten Tag, die neue Woche. Der siebte Tag war für die Christenheit der erste. Es ging nicht nach der Devise: Nur wer arbeitet, soll auch essen oder pausieren dürfen. Der Stoßseufzer: „Jetzt ist aber Sabbat!” sollte gar nicht erst aufkommen. Der regelmäßig wiederkehrende freie Tag ein Geschenk des sein Volk aus der Sklaverei befreienden Gottes, der auch die Ruhe, das Ruhen geschaffen hat!

Nicht erst heute, aber heute erst recht, denkt man – optimierungs- und profitfixiert – auch hier über De-Regulierung und Flexibilisierung nach: Jeder darf und muss selbst entscheiden, wann er und sie nicht mehr können. Damit fällt die gemeinsame Große Pause aus.

Auch die Volksseele hat damit ihren Sonntag und der Sonntag hat ein gemeinsame „seelische Erhebung” (Grundgesetz!) verloren – vielleicht kocht sie auch deswegen so gerne und immer häufiger über... und Festen, nachgeholt, wird leicht zum Exzess: Jetzt aber so richtig einen drauf machen... weggeworfene Flaschen am Straßenrand und ebenso ausgeleerte, von Arbeit und Konsum erschöpfte kaputte Menschen! Fasten und Festen machen nun beide kaputt. Und unterscheiden sich auch nicht mehr. Beides ein Stress. Fasten und Festen gehen selbst kaputt. Machen keinen Sinn mehr, höchstens Unsinn...

Also: Rhythmen machen Sinn – im buchstäblichen Sinn. Ohne Generalbass sei die Musik ein entsetzliches Geplärre und Geleier., so wusste es schon der alte Bach.

In diesem Sinne

Ihr

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