Liebe Gemeindeglieder,

der Kreis schließt sich. Am 01. Oktober 1999 habe ich eine neue Heimat in Ulm gefunden und das geschäftsführende Pfarramt unserer Gemeinde übernommen. Am 01. Oktober 2017 werde ich im Gottesdienst verabschiedet, weil ich die gesetzliche Altersgrenze erreicht habe.

Damals - in meinem ersten Beitrag für den Gemeindebrief - habe ich das Folgende geschrieben:

„Jetzt also kehre ich aus einem Funktionspfarramt in die Gemeindearbeit zurück und bin sehr froh und dankbar, dass mich der Kirchengemeinderat gewählt hat. Das war eine beglückende Erfahrung, weil damit für uns auch als Familie eine Zeit der Heimatlosigkeit zu Ende gegangen ist. Das ist natürlich auch ein großer Vertrauensvorschuss, dem ich hoffentlich gerecht werden kann.

Ich komme natürlich erst einmal als der, der ich bin, mit meinen Stärken und mit meinen Schwächen, und ich bitte Sie, mich so anzunehmen und aufzunehmen. Ich komme als einer, der versuchen will, zu hören und zuzuhören, Fragen zu stellen und Antworten zu geben. Und ich komme als einer, der mit Ihnen zusammen ein fröhliches und für alle hilfreiches Gemeindeleben gestalten will.

Wichtig dabei sind mir zwei Fragen, auf die wir immer wieder und gerade heute neue und tragfähige Antworten nden müssen. Es sind die Fragen Was ist der Mensch? Und: Was heißt Leben? Vielleicht sind es die beiden wichtigsten Fragen überhaupt.“

Ob ich dem gerecht geworden bin, mögen andere beurteilen, wenn es denn überhaupt beurteilt werden muss. Für mich weiß ich, dass ich an der genau richtigen Stelle für das war, was mich ausmacht und was mir wichtig ist, auch weil diese Stelle ein hohes Maß an gestalterischer, geistlicher und geistiger Freiheit geboten hat.

Ich gehe also mit großer Dankbarkeit für alle Begegnung, von der ich selbst viel zurückbekommen habe. Und ich gehe mit großer Dankbarkeit für alle Begleitung durch die, die sich in unserer Gemeinde engagieren und sich für sie einsetzen.

Ich gehe allerdings nicht in den Ruhestand, sondern nehme eine letzte Aufgabe an. Ende des Jahres stellt mich die Evangelische Kirche in Österreich an, und ich werde Pfarrer für die beiden Kirchengemeinden Zell am See und Gastein. Das wird eine ganz andere als unsere volkskirchliche Situation sein, weil die dortigen Gemeindeglieder in der Diaspora und in einem Umkreis von 90 Kilometern leben. Aber sie leben in einer traumhaft schönen Gegend und in den Bergen, die ich so sehr mag.

Jetzt aber freue ich mich auf die letzten Wochen hier, und ich freue mich, wenn wir am 01. Oktober einen letzten schönen Gottesdienst feiern können.

Lassen Sie mich noch einen Gedanken aus meiner Predigt vom 06. April 2014 zu einem Gedicht von Hilde Domin weitergeben:

„Gott zeigt auf uns und sagt:

Ecce homo. - Seht den Menschen mit seinen Wundmalen, den Katastrophen seiner Geschichte, den großen und den ganz persönlichen. Seht ihn, wie ich ihn hindurchgeführt habe, immer versehrter und immer heiler. Mit Wunden geschlagen, versehrt und doch nicht ohne Hoffnung. Wann wird er endlich zu sich selber finden? Wann wird er endlich bei sich ankommen?

Wann immer es sein wird. Eins dürfen wir wissen: Gott ist bei uns angekommen. Im Kreuz hat er sich geerdet. Im Kreuz ist er bei seinen Menschen angekommen, damit sie und wir leben können - versehrt und doch heil.“

Seien Sie behütet. Ihr

Rolf Engelhardt

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