Liebe Gemeindeglieder,

wenn ich in der Pauluskirche sitze und den Blick durch den Raum schweifen lasse, geht es mir immer wieder so, dass mich das besonders berührt, was alles verbindet: Zum einen der immer wiederkehrende „Fischerbogen” in allen Bauteilen, Arkaden, Fenstern etc. Aber auch das Band, das in den Bildern der Ostwand anfängt, den Regenbogen aufgreift, an den Wänden der Kirche entlanggeht, über die Empore weitergeleitet wird und dann wieder vorne endet.

Ein Psalmwort kommt mir dazu in den Sinn: „Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir.” (Psalm 139,5)

Manchmal komme ich aus der Hektik des Pfarreralltags heraus zu einer Besprechung in die Pauluskirche, oder zu einem Treffen. Dann erlebe ich ein paar Momente, in denen mir das eine wichtige Erfahrung ist: mitten im Trubel ein Raum der Geborgenheit, ein Gefühl, umgeben zu sein von Gott, in seiner Hand zu sein. Das macht mich gelassener, ruhiger, heiterer auch an schweren und belastenden Tagen.

Vielleicht ist das nicht ohne Bedeutung, dass es für dieses Gefühl nötig ist, aus dem Alltagsraum herauszutreten. Vielleicht ist es mir erst dann möglich, das zu sehen, was immer und von allen Seiten um mich ist.

Vielleicht kann dieser Sommer, die sogenannte Sommerpause ja auch für Sie so ein Heraustreten sein aus dem Jahresfluss mit allen Herausforderungen. Vielleicht schaffen Sie es, in der Sommerpause einen Schritt zurückzutreten, und zu entdecken, was Sie umgibt: Natur, ein Garten vielleicht, Menschen, Nachbarn, Familie. Kleinode des Alltags, die man eigentlich nur bestaunen und bewundern kann... All das ist immer da, aber es ist zugedeckt durch die Eindrücke und Anforderungen, die durch den Alltag auf uns einstürzen.

Wenn ich den Satz aus dem 139. Psalm lese, dann wird mir klar: Dem, der das sagte, dem muss es so ähnlich gegangen sein. Der ist herausgetreten aus dem Alltag, hat sich Zeit genommen, tief durchgeatmet und dann staunend gesagt: „Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir.”

„Ist das denn wahr?”, werden Sie vielleicht fragen. „Mehr als nur Schwärmerei? Ist denn in all dem, was mich umgibt, Gott?”

Ich meine: Nein, in dem, was mich umgibt, ist nicht Gott. Aber Gott ist so, wie das, was mich umgibt: Eben immer da. Ich merke nur seine Gegenwart nicht, seine schützende Liebe nehme ich nicht wahr. Gott ist mein „Lebenselixier”, sagt dieser Satz, so, wie die Luft, die ich atme, ganz selbstverständlich. Wie sehr ich sie brauche, das merke ich erst, wenn sie mir fehlt. Der Psalmbeter staunt. Er fühlt sich geborgen, weil er erkennt: „Was ich auch tue – Gott ist da. Wo ich auch bin – Gott ist da!”

Und der Beweis dafür? Er hat keinen und ich kann Ihnen auch keinen geben. Ihm sind damals die Augen aufgegangen für Gottes ständige, stille Gegenwart in seinem Leben. Und das ist eine wunderbare Erfahrung.

Dass Ihnen und mir solche offenen Augen geschenkt werden, wie sie der Psalmbeter hatte, das ist mein Wunsch für Sie und für mich in hoffentlich ruhigeren Sommertagen.

Ihr

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