Liebe Gemeindeglieder,

Im Kraftfeld des Himmels – Siehe, ich mache alles neu!

Im Seniorenheim besucht der Sohn den Vater, der zunehmend verwirrt ist. „Oft ist es, als wisse er nichts und verstehe alles.”, sagt der Sohn. Dieses Mal hält der Vater die Hand des Sohnes nach der Begrüßung fest – sie sei so kalt. Der Sohn sagt, er käme von draußen aus dem Regen.

Lange behält der Vater die kalte Hand zwischen den seinen, schließlich sagt er: „Ihr könnt tun, was ihr zu tun habt, ich werde derweil diese Hand wärmen”. (nach Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil)

Ein Moment, der sich von allem abkoppelt, was außen herum geschieht, „Ihr könnt tun, was ihr zu tun habt...”.
Ein Kraftmoment, wo ein verwirrter und doch so kluger Mensch davon weitergibt, was das Leben ausmacht.

An was er denken mag? Ob es die Hand ist, die ihn selbst als Kind gestreichelt hat, oder die Wärme, die da war, als er gehalten wurde, umarmt, ... Jetzt zeichnet er etwas in die Hand des Sohnes, das diesen wärmen wird, länger noch als in diesem einen Moment.

Liebe Gemeindeglieder, etwas vom Kraftfeld des Himmels erzählt diese Geschichte, etwas von der Kraft, die um den Karfreitag weiß und dann Neues hervorbringt am Ostermorgen. Etwas Helles, etwas Warmes – etwas vom Kraftfeld des Himmels.

In Jesus ist es aufgeleuchtet, als er von seiner Wärme und Liebe weitergegeben hat. Etwa schon vor dem letzten Abendmahl, als er in einer zärtlichen und demütigen Geste seine Jünger berührt hat: Er hat ihnen die Füße gewaschen. Diese Berührung wird sie lange gewärmt haben. Es scheint so, dass Jesu Abschied eine Nähe möglich macht, die es im Alltag selten gibt. Ostererfahrungen, oft ein wenig am Rand des Alltags...

Dem Kraftfeld des Himmels auf den Spuren, den Berührungen von Himmel und Erde, den Frühlingszeichen von Schöpfungen und Neuschöpfungen auf der Spur sind wir auch in unserer Gemeinde mit der Ausstellung über die Umgestaltung unserer Kirche in den Jahren 69-72. Am Palmsonntag blicken wir auf die Fresken an der Ostwand, die viel von diesem Kraftfeld zum Leuchten bringen. Unsere Kirchengeschichte ist in vielem eine Geschichte der Bilder, der inneren und äußeren. Letztlich geht es darum, was uns berührt – um das Kraftfeld des Himmels um uns.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest, wünsche Ihnen, dass Sie etwas in Ihrem Leben spüren von dieser Kraft „Siehe, ich mache alles neu!”, vom Kraftfeld des Himmels – und dass Sie diese Erfahrung mitnehmen in die Aufbrüche Ihres Lebens und auch die Aufbrüche unserer Kirchengemeinde.

Ihr Pfarrer Peter Heiter

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