Liebe Gemeindeglieder,

Allerseelen, Bußtag, Weltkriegsgedenken, Ewigkeitssonntag ...

Der November gilt allgemein als grauer Monat. Und mit Grau wird etwas Tristes assoziiert. Aber, wenn ein Maler wie Max Liebermann meinte, die Welt sei eigentlich grau, dann kann mit der Gleichung Grau gleich Trist etwas nicht stimmen.

Das weiß jeder, der die reiche Farbenpalette der Grautöne von der Waterkant her kennt. Das Meer, der Himmel, die Wolken, das Ge eder der Möwen, der Sand ...

Man muss sich nur darauf einlassen, sich Zeit geben, um zu unterscheiden ... Es gilt, die innere Abwehr vor dem Grau, das Grauen vor dem Grau zu überwinden.

„Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staub.“ - Man muss diesen Satz gleichsam in die Hand nehmen wie ein paar Krumen Acker- oder Gartenerde, um das verborgene Leben darin zu spüren. Dann geht einem das ursprünglichste aller Wunder auf: Dass aus Nichts etwas wird - und dass von Nichts umgeben, etwas bleibt, dass wir überhaupt als so fragile, zerbrechliche Wesen nicht im nächsten Moment zerfallen, auch wenn es so leicht ist, uns einfach umzupus- ten, auszulöschen, wegzusprengen. Sei es durch Terror, sei es durch Taifun, sei es durch Herzattacke ...

Das Staunen darüber ist der Anfang allen Glaubens, gleich- sam die Graustufe des Glaubens. Reisen wir also an die Nordsee des Glaubens: Schauen wir dem Geist, dem Atem Gottes zu, wie er über den Wassern schwebt, sinnt, träumt, “brütet“ wie es wörtlicher im Hebräischen heißt.

Lassen wir uns auf den November ein: Es gibt genug Mona- te im Jahr für die anderen daraus erwachsenden Farbtöne.

Adelbert Schloz-Dürr

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