Liebe Gemeindeglieder,

lassen Sie mich einen Vers aus dem Oster- und Pfingstpsalm 118 herausnehmen und genauer anschauen:

„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“

Wer bauen will, sucht brauchbares Baumaterial zusammen. Steine, die sich von sich aus fügen. Oder die zugehauen werden. Ecken und Kanten werden beseitigt. Zu Großes wird kleingemacht, zu Kleines gegebenenfalls verworfen. Kaum eine Chance für eigenwillige Steine.

Wäre da nicht der göttliche Baumeister, der diskret im Hintergrund doch dafür sorgt, dass von uns Verworfenes, für unbrauchbar Erklärtes, sogar zum Eckstein werden kann.

Auch in der Musik wird gebaut. Fugen zum Beispiel sind musikalisches Bauwerk. Es gibt gefällige Themen, die sich leicht fügen lassen. Ein Kanon geht noch leicht. Es sind dann die wirklichen Meister, die sich vor Sperrigem nicht fürchten. Johann Sebastian Bach gehört zu ihnen. Ihm widmen wir das Wagnis eines Familiengottesdienstes im Mai.

Wo mit Menschen gebaut wird, ist allergrößte Kunstfertigkeit gefordert. Das wissen Mütter und Väter im Blick auf ihre eigenwilligen Kinder. Und umgekehrt! Und es klingt doch zusammen. Selbst die Misstöne. Und nicht selten staunt man über eine spannungsvolle Harmonie. So empfanden
wir Pfarrer dieses Kon rmandenjahr mit Jugendlichen und Eltern, eine großartige Zeit.

Die ganze christliche Kirche ist ein Bau aus Menschen, eine riesige weltweite Kathedrale, Ökumene genannt. Ihre Steine sind höchst unterschiedlich. Würden Sie als evangelisches Gemeindeglied sich, ohne sitzen zu dürfen, zu einem dreistündigen weihrauchgeschwängerten Gottesdienstbau fügen lassen? Oder, wenn Sie griechisch-orthodox sind, würden Sie sich eine halbstündige doch recht trockene Predigt gefallen lassen?

Unsere Pauluskirche hält alle diese „Steine“, diese disparaten Themen aus, ihr Betonhimmel wölbt sich über evan- gelischen, orthodox-eritreischen, orthodox-griechischen Gottesdienstgemeinden, jeden Monat.
Ein Werk des pfingstlichen Geistes. 

Darum Grund genug, gemeinsam zu feiern.
Ein Himmelfahrtausflug anderer Art, zu den andern hin:

Auf dem Plätzle, unter den Linden, Frauenstraße 110 - eine gute Adresse.

Ihr / Euer

Adelbert Schloz-Dürr

Zurück zur Übersicht