Liebe Gemeindeglieder,

die Welt ein Schachspiel, verrückt spielend.

In der Lokalpresse fand sich jüngst ein Foto mit einer überdi- mensionalen Schach gur in den kahlen Ästen eines Baumes, ausgerechnet ein so genannter „Springer“, der traditionell einen Pferdekopf darstellt. Es sah aus, als ob ein Schachspiel(er) in der Friedrichsau im wahrsten Sinne des Worts verrückt gespielt hätte, gegen alle strengen Regeln, die dieses Spiel ja auszeichnen.

Kommt einem ja bekannt vor. Wird die Welt ringsum nicht immer mehr zum Kampfspiel (gemacht): Freund oder Feind. Zu einem verbissenen Spiel, das auf Überlegenheit, nicht auf Ausgleich angelegt ist: wir zuerst! Selbst der Krieg ist sogar an Europas Rändern wieder zur Mode, zum diskutablen und angewandten Mittel der Politik geworden.

Und die Regeln? Die lichten Seiten des Schachspiels? - Juristen, die über Regeln wachen, bekommen Politikerschelte. Regeln der Gewaltenteilung werden nicht nur am Bosporus immer mehr aus- gehebelt. Ebenso mitten unter uns und nicht nur in Dresden das oft mühselige Kompromisseschließen der Demokratie. Oder ein nach zwei Weltkriegen langwierig und geduldig ausgehandeltes Regelwerk, das die Europäische Union nobelpreiswürdig gemacht hat: Exit, das rote Licht, blinkt allerorten auf.

Aber auch grünes Licht leuchtet:

Eine rumänische Gesellschaft, tief vom System Schmiergeld ge- prägt, ist des eigenen verzerrten Spiegelbilds satt und lehnt sich auf, hoffentlich nicht nur gegen die Sündenböcke einer Regierung, die Korruption in Grenzen für legitim erklärte.

Grund genug also, im Lichte des Evangeliums zum Beispiel über die schwarzen und weißen Seiten des Schachspiels nachzuden- ken. Warum nicht in einem Gottesdienst, den Schachfreunde oekumenisch für alle gestalten.

Und Grund genug, auch in der Passionszeit das Singen, die Freu- de am lebendigen Gott nicht zu vergessen, beim Kantatengottes- dienst, Landeschortag - und auch sonst.

Ihr / Euer

Adelbert Schloz-Dürr

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