Literatursonntag

Der diesjährige Literatursonntag ist literarischen Texten und Autoren gewidmet, die um einen „unberühmten Ort” kreisen.

Z. B. Günter Eich, der schrieb: „Alle Wege führen nach Wassertrüdingen. Wer nach Rom kommt, hat sich verirrt.”

Wer kennt schon Wassertrüdingen? Und doch lebt die Mehrzahl der Menschen gerade in solchen wenig bis gar nicht bedeutenden, folglich unge/be-rühmten Orten, Und sie verbinden mit ihnen darum etwas für sie Bedeutendes, z.B. unverzichtbare kostbare oder untilgbar traumatische Erinnerungen.

So ist biblisch gesehen die Straße, die „die öde genannt wird” der Ort, wo jener berühmt gewordene und doch für immer anonym bleibende Kämmerer aus Äthiopien seine eigentliche, nämlich zweite und entscheidende Geburt als Gotteskind erlebt, seine Wiedergeburt als Christ und Getaufter.

Philippus, der ihm die Heilige Schrift aufschließt, wird gerade auf diese unbedeutende öde Straße, sehr wahrscheinlich ohne seinen Willen, von Gott geschickt.

Und am Ende heißt es: „Er, der Fremde, aber zog diese seine (öde) (Lebens-)Straße fröhlich.”

Apostelgeschichte 8,26 -39 erweist sich so als ein hochliterarischer biblischer Text, der darum auch im Mittelpunkt des Gottesdienstes zum Literatursonntag stehen wird.

Der Pianist Albrecht Krokenberger schreibt über die Klaviermusik an diesem Sonntag:

Maurice Ravel, französischer Komponist des Impressionismus, widmete in seiner Klaviersuite ‚Le tombeau de Couperin’ von 1918 jeden der Sätze einem verstorbenen Kriegskameraden.

Keines der Stücke erzählt in seiner Tonsprache vom Grauen dieses, auch von ihm selbst als Soldat erlebten Krieges. Durch die Rückwendung an die barocke Form der Suite findet Ravel vielmehr Ausdrucksmittel, um die Persönlichkeit jedes einzelnen Kameraden aufscheinen zu lassen.

Zwei dieser Ton-Portraits werden am Literatursonntag in die Predigt eingebettet sein.

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