Unser Bauprojekt

Die Idee

Als ich im Oktober 1999 Pfarrer in dieser Gemeinde wurde, wurde der Wunsch nach der Erneuerung der Lichtanlage in unserer Kirche immer lauter, und auch mir selbst wurde sehr schnell klar, dass dieses Licht einer solch wunderbaren Kirche nicht würdig ist.

Hinzu kam, dass wir im Lauf der Zeit unsere Kirche immer stärker über die Gottesdienste und schon bestehende Veranstaltungen hinaus geöffnet haben - auch um möglichst vielen und möglichst unterschiedlichen Menschen diese Kirche nahe zu bringen. Sie ist meiner Ansicht nach das Bauwerk seiner Zeit in Deutschland und verdient es nicht, im Schatten des Münsters zu stehen. Diese Öffnung ist uns gelungen, und ich nenne dafür nur stellvertretend die Ausstellungen, Lesungen, zunehmenden Führungen und zusätzlichen musikalischen und sonstigen Veranstaltungen, die inzwischen stattgefunden haben und stattfinden. Wer das Jahr über beobachtet, wie viele Menschen inzwischen den Weg in diese Kirche finden, kann nur staunen und dankbar sein. Wir können dabei nicht hoch genug schätzen, dass die Ausstrahlung des Heiligen einer Kirche Auswirkungen auf die Menschen hat, die sich auf dieses Heilige einlassen. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass wir auch die Mieteinnahmen in nicht unbeträchtlichem Maß steigern konnten.

Im Zuge all dessen fiel dann nach und nach ein GANZ NEUES LICHT auf dieses einzigartige Gebäude, und wir entdeckten, wie viel unglaublich schöner Raum in dieser Kirche insgesamt vorhanden ist, aber zweckentfremdet oder gar nicht genutzt ein Schattendasein führt. In einem langen Diskussionsprozess mit sicher auch manchem Irrweg - das will ich gar nicht verschweigen - beschloss dann der Kirchengemeinderat, sich auf die Kirche im Ganzen und als einziges kirchliches Gebäude unserer Gemeinde zu konzentrieren und sie zum Mittelpunkt und als Mittelpunkt des Gemeindelebens umzugestalten.

Im Jahr 1999 hatte die Gesamtkirchengemeinde das im Norden direkt an die Kirche angrenzende Grundstück, den Tennisplatz, erworben. Die Planung sah vor, dort als Ersatz für die durch den Verkauf des Gemeindehauses Schaffnerstraße entfallenen Gemeinderäume einen Gemeindehausneubau mit Kindergärten zu errichten. Als wir uns aber der Frage stellten, ob wir überhaupt ein Gemeindehaus brauchen, sind wir letztendlich zu dem Ergebnis gekommen, dass wir es nicht brauchen, sondern dass uns nur ein Raum für etwa 80 Personen fehlt.

Klar war auch, dass auch beim Bau eines neuen Gemeindehauses die Notwendigkeit von Erhaltungs- und Unterhaltungsmaßnahmen im Innern unserer Kirche bestehen bleibt, dann aber nicht finanziert werden könnte. Und es kam hinzu, dass die Stadt entschieden hatte, die beiden Kindergärten in der Schaffnerstraße weiter zu betreiben, sie also nicht in einem Neubau auf dem Tennisplatz unterzubringen.

Die zuständigen Gremien der Gesamtkirchengemeinde entschieden dann auf der Grundlage all dieser Überlegungen und auf unseren Vorschlag hin jeweils mit großer Mehrheit, die ursprüngliche Planung zur Bebauung des Tennisplatzes mit einem Gemeindehaus nicht mehr weiter zu verfolgen, sondern die Pauluskirche so umzugestalten, dass sie unseren gewachsenen und hoffentlich weiter wachsenden Bedürfnissen gerecht wird.
Dabei gliedert sich dieses Konzept in zwei Bereiche:

  • Erhalt der Bausubstanz - im wesentlichen die Sanierung der Turmkuppeln und die
  • Verbesserung und Erneuerung der räumlichen Situation

Daraus ergeben sich fünf Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht:

1. Multifunktionsraum
Das Kernstück des neuen Konzeptes ist die Schaffung eines Multifunktionsraumes, der unterschiedlichsten Anforderungen gerecht wird. Nach eingehenden Untersuchungen ist vorgesehen, diesen Raum innerhalb des eigentlichen Kirchenvolumens zu entwickeln. Der geeignete Ort liegt im Bereich des jetzigen Hauptzugangs, unterhalb der Empore auf der Westseite des Kirchenschiffes. Diesem Raum werden zugeordnet neue - behindertengerechte - sanitäre Anlagen und eine neue Cafeteria.

2. Lagerbereich
Die aktuelle Lagersituation ist völlig unbefriedigend und dieser Kirche ebenfalls nicht würdig. Insbesondere die Lagerung von Tischen und Stühlen bis hin zu den Konzertpodien findet heute im Wesentlichen innerhalb des Kirchenraumes statt und führt zu einer starken funktionalen und optischen Beeinträchtigung des Hauptschiffes und der Arkaden. Von den Treppenaufgängen zu den Emporen will ich gar nicht reden, auch wenn sich hier durch Aufräumarbeiten schon Manches zum Besseren gewendet hat. Weitere Lagerkapazitäten sind zwar im Bestand vorhanden, allerdings praktisch kaum nutzbar, weil sie immer nur über kleine Treppenanlagen erreichbar sind. Deshalb planen wir die Nutzung des Untergeschosses in der Süd-Ostecke der Kirche als Lagerraum. Erschlossen wird dieses Lager durch eine breite Treppe von außen und eine Hebebühne von innen.
Ein schöner Nebeneffekt dieser Lösung ist, dass wir gleichzeitig einen weiteren Raum dieses Untergeschosses im Rohbau soweit fertig stellen, dass wir bei Bedarf und ohne großen Aufwand einen weiteren Gemeinderaum schaffen können.

3. Neues Beleuchtungskonzept für das Kirchenschiff
Im Zuge einer umfassenden Renovierung der Kirche in den 60er Jahren wurden auch die derzeit bestehenden Kugelleuchten installiert. Diese entsprechen weder dem ursprünglichen Beleuchtungskonzept Fischers, noch werden sie dem erweiterten Nutzungsspektrum der heutigen Zeit gerecht. Die extrem schlechte Kunstlichtqualität bedarf dringend einer Verbesserung, um den bestehenden Anforderungen flexibel gerecht werden zu können. Insbesondere eine Zonierung der Beleuchtungsstärke, sowie die Möglichkeit einer Variierung in der Hängehöhe sind erforderlich. Hierzu bestehen bereits einige - von unserer Gemeinde über Spenden finanzierte - Konzepte, die derzeit weiterentwickelt und werden.

4. Renovierungs- und Erhaltungsmaßnahmen im Innenbereich
Ebenfalls im Zuge der Renovierung der 60er Jahre wurden an den Wänden Veränderungen vorgenommen, die das historische Bild zum Teil stark verändert haben. Eine grundsätzliche Instandsetzung im Sinne von Putz- und Malerarbeiten ist nötig, ohne jedoch den ursprünglichen Zustand in allen Teilen wiederherzustellen / wiederherstellen zu können. Auch da befinden wir uns derzeit in einem intensiven Diskussionsprozess.

5. Sanierung der Turmkuppeln
Die bereits Mitte der 80er Jahre schon einmal sanierten gemauerten Turmkuppeln zeigen erneut Schäden, die einer Reparatur bedürfen. Um Kosten zu sparen, erfolgt die Planung und Durchführung der Maßnahmen durch das kirchliche Bauamt der Gesamtkirchengemeinde, also nicht durch unsere Architekten. Derzeit werden verschiedene Sanierungskonzepte untersucht. Die Bauberatung des Oberkirchenrats ist eingeschaltet. Das Landesdenkmalamt hat seine Unterstützung ebenfalls zugesagt und wird verschiedene Alternativen zur Abdichtung der Fugen untersuchen.

Worüber wir uns aber inzwischen auch einig sind, ist aber, dass zunächst eine professionelle Aufnahme der tatsächlichen Schäden vorzunehmen ist, um eine dauerhafte Dichtheit der Turmkuppeln gewährleisten zu können, und um möglicherweise nicht notwendige Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden. Das aber braucht Zeit, damit wir wirklich ganz sicher sind, wo die Ursache der Schäden zu suchen ist. Deshalb haben wir uns darauf verständigt, dass die Verwirklichung dieses Teils der Baumaßnahme um 2-3 Jahre verschoben werden kann. Wir haben jetzt im Turminneren Planen aufgehängt, mit deren Hilfe wir eindringendes Wasser ableiten.

Baubeginn war im Juli 2007. Ab Weihnachten 2007 bis zum Ende der 13. Vesperkirche im Februar 2008 waren dann die Bauarbeiten eingestellt. Am 22. Juni 2008 konnten wir mit einem wunderschönen Gottesdienst eine neu erstrahlende Kirche wieder einweihen.

Rolf Engelhardt