Vom Trost und Trotz des Humors
Uns Protestanten sagt man nach, dass wir es mit Fasching nicht so haben. Womöglich mit dem Humor auch nicht. Ich selbst kann mich gegen diesen Verdacht gar nicht ganz wehren. Zumindest was Fasching feiern betrifft. Allerdings war ich auch 10 Jahre lang Pfarrerin im Rheinland. Und dort habe ich etwas gelernt: auch Humor und gute Laune lassen sich einüben. Das lernt dort jedes Kind. Deshalb klappt es auch, den Schalter umzulegen und gemeinsam zu feiern. Jetzt ist Fröhlichkeit dran. Staunend habe ich z.B. auf Konfirmandenfreizeiten erlebt, wie Jugendliche dann zusammen ein Fest feiern. Wie sie sich sogar selbst aufs Korn nehmen oder mit Geschlechterklischees spielen können. Und selten haben wir so gelacht wie bei der Prots-Sitzung, der evangelischen Spielart der Stunk-Sitzung.
Das lässt sich auf uns hier nun nicht einfach übertragen. Aber diese Ausgabe von Ulm. evangelisch lädt Sie in der Faschingszeit - und nicht nur da! – ein, die Sache mit dem Humor nochmal neu zu bewerten. Ein tolles Angebot zum Üben ist die Veranstaltung mit Dr. Gisela Matthiae, evangelische Theologin und Clownin. Die ehemalige württembergische Pfarrerin arbeitet heute als freie Referentin und Autorin, bildet Clowns aus und steht selbst auf der Bühne. Im Workshop im HdB am Samstag, 28. Februar 2026, werden Beispiele und Übungen gezeigt, wie Humor tatsächlich Mut machen und weiterhelfen kann. Gerade dann, wenn es eigentlich nichts zu lachen gibt. Humor trotzt dem Leben noch andere Seiten ab, macht hoffnungsfroh und heiter und ist darin erstaunlicherweise dem Glauben ganz nah.
Es braucht ein bisschen Übung! Und eine Haltung, die sich selbst nicht ganz so wichtig nimmt
Auch in Märchen lässt sich die Möglichkeit entdecken, durch Humor etwas Distanz zu schweren Dingen einzunehmen. Geschichten erzählen vom Versuch, den Tod zu überlisten, oder mit ihm zu handeln, aber auch von dem großen Bedürfnis, ihn freundlich anzunehmen: Mal heiter und mit Augenzwinkern, mal weise und voller Klugheit, aber immer mit überraschenden Wendungen. „… denn schließlich stirbt man nicht alle Tage!“ Solche Geschichten erzählt Petra Weller auf dem Alten Friedhof am 24. Februar. Beide Veranstaltungen finden Sie auf der Seite des HdB.
Es gibt wohl genug Anlässe, an denen es gut tut, etwas Distanz zwischen mir und den Ereignissen herzustellen und darüber zu lachen. Es braucht ein bisschen Übung! Und eine Haltung, die sich selbst nicht ganz so wichtig nimmt. Vielleicht ist das auch eine Haltung des Glaubens.
Ihre
Pfarrerin Andrea Luiking
Leiterin des Haus der Begegnung