Das Pauluskirchen-Geläut - eine kurze Geschichte der Pauluskirchen-Glocken
Im Juli wurde die Steuerung der Pauluskirchenuhr repariert. Aufgrund der komplexen Mechanik dieser denkmalgeschützten Uhr aus dem Hause Hörz, die bereits auf der Pariser Weltausstellung war, lässt sich der Viertelstunden- und Stundenschlag nicht unterbrechen.
Aber was erklingt da eigentlich beim Stundenschlag und beim liturgischen Geläut der Ulmer Pauluskirchenglocken?
Seit 1955 hängen zwischen den Türmen der Pauluskirche drei Glocken. Für das ursprüngliche Geläut der damaligen Garnisonskirche hatte Theodor Fischer 1909 vier Glocken gießen lassen und sie den vier Evangelisten zugeordnet. Es war ein besonders reines Geläut von hoher Wertigkeit, weshalb die Glocken im 1. Weltkrieg von der Ablieferung verschont blieben. Die kleinste Glocke wurde zwar 1918 für kurze Zeit eingezogen, kam dann aber doch wieder an den alten Platz zurück, ohne eingeschmolzen zu werden. Im 2. Weltkrieg ging es den Glocken ähnlich wie vielen Menschen: Die drei Größeren wurden eingezogen und kehrten nicht wieder zurück, nur die Kleinste blieb. 1955 wurden die drei neuen Glocken gegossen und erklingen bis heute. Was mit der kleinsten Glocke des ursprünglichen Geläuts geschehen ist, ist nicht bekannt. Sie läutete als einzige, als das Kirchengebäude am 11. September 1946 auf Beschluss des Ulmer Gesamtkirchengemeinderates in „Pauluskirche“ umbenannt wurde. Es ist zu vermuten, dass sie für den Glockenguss der drei Glocken von 1955 eingeschmolzen wurde – in Verkennung ihres hohen historischen und qualitativen Wertes. In diesem Fall klingt bis heute immer noch ein Stück vom Originalgeläut mit.
Die Glocke zwei, die größte (mit der Stimmung es‘), ist die Betglocke. Sie ruft mit der Inschrift „Halte an am Gebet“ (Rö 12,12) – sie schlägt zur vollen Stunde und beim Vaterunser.
Die Glocke drei, die mittlere (Stimmung f‘) ist die Kreuzglocke mit der Inschrift „Das Wort vom Kreuz ist eine Gotteskraft“ (1. Kor 1,18) – sie schlägt den Viertelstundenschlag
Die Glocke vier, die kleinste (Stimmung g‘), ruft als Taufglocke mit der Botschaft „Ein Herr und ein Glaube und eine Taufe“ (Eph 4,5)