Liebe Gemeindeglieder,

Wir haben die Wahl – Umgang mit Hiobsbotschaften

Er hat alles verloren, seine Familie, sein Hab und Gut, zuletzt noch seine Gesundheit. Gott sei Dank sind da noch seine Freunde, die zunächst mit ihm aushalten, ein kleiner Lichtblick für den, nach dem die Hiobsbotschaften benannt sind.
Mich erinnern die Novembertage an die Hiobsbotschaften meines Lebens. Die Dunkelheit, die Kälte, der Wind und der Nebel flüstern mir von dem, was zu Ende geht. Auch die Feiertage wie der Volkstrauertag oder der Totensonntag wecken Erinnerungen an alte und neue Trauer, an meine Hiobsbotschaften.
Und doch ist sie immer noch da, mitten im November: Die Sonne, der ich mein Gesicht entgegenstrecken kann – Lichtblicke und Lebenswärme, wie sie etwa auch beim Martinsumzug im Dunkeln aufleuchten.

Der November-Monatsspruch zeigt mir, dass ich die Wahl habe, wie ich mit den Hiobsbotschaften meines Lebens umgehen kann:
Lange Zeit schweigen sie mit ihm, Hiobs Freunde. Irgendwann halten sie es nicht mehr aus und stellen die Schuldfrage: Hiob muss selbst schuld sein an seinem Unglück.
Hiob reagiert mit Unverständnis – nein, er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Er klagt Gott an, wütend, verzweifelt. Aber mit einem Mal sind da andere Töne:
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt” (Hiob 19,25), sagt Hiob. Er hält daran fest, wonach sich das Herz in seiner Brust sehnt: „Ich selbst werde Gott sehen” – trotz allem, dennoch.
Für mich ist damit der Kern unseres Glaubens formuliert, ein großes „Dennoch”, das mitten in der Lebensdunkelheit und in den unbegreiflichen Hiobsbotschaften am Licht festhalten darf und kann. Eine (Wahl-)Möglichkeit, eine Lebenshaltung, oder auch etwas, worum wir bitten können:
Morgenglanz der Ewigkeit,
Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit
deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht
unsre Nacht.
(EG 450,1)

Weil von diesem Licht nicht nur unsere persönlichen Wege, sondern auch die unserer Kirchengemeinden beschienen sind, wünsche ich Ihnen auch ein wenig mit Blick auf den 1. Dezember eine gute Wahl.

Ihr Pfarrer Peter Heiter

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