Monatsspruch Juli: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“

(Psalm 42,3)

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns ...“, so heißt es in einem Lied aus dem neuen Liederbuch. Gerne wird es gesungen. Nicht nur wegen der eingängigen Melodie, in die man sich fallen lassen kann. Auch der Text trifft den Ton und das Empfinden heutiger Menschen.

Gott nahe zu sein, ihn zu sehen, das ist der tiefe Wunsch - verbunden mit der Bitte um Frieden, Freiheit und Hoffnung, die aus Sorge, Schmerz und Ohnmacht erlösen. Wer in dieses Lied miteinstimmt, kann sich aufgehoben fühlen - sowohl in seiner Suche nach Gott wie auch in seinem Leiden an der Welt, wie sie ist.

Der Durst, den der Beter des Psalm 42 empfindet, kommt nicht ganz so harmonisch daher. Diese Sehnsucht nach Gott gleicht dem Schrei der Hirschkuh, die halb am Verdursten in den ausgetrockneten Tälern Israels nach Wasser sucht.

Wie dieses Tier, so schreit auch die Seele in Todesnot und größter Angst.

Der Durst nach dem lebendigen Gott weckt aber auch die Erinnerung an andere Zeiten. An Zeiten der Fülle und des tiefen Glücks. Vor seinem inneren Auge sieht sich der Beter von fröhlichen Festpilgern umringt und denkt an Gottesdienste, in denen die Sehnsucht nach Gott gestillt wurde. Momente reinen Glücks und großer Freude!

In erlebtem Mangel und erinnerter Fülle zieht sich durch Psalm 42 und 43 ein Refrain, der die Zukunft in den Blick nimmt:
„Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“

Gabriele Wulz

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