Phänomenale Ver(un)sicherung: „in ihm leben, weben und sind wir“ – Gedanken zum Monatsspruch für den Juli

Aufrecht steht Paulus auf dem Areopag, mitten in Athen und wirbt für den „unbekannten Gott“, den die Athener schon immer verehrt haben: „Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ (Apg 17,27f). Paulus zitiert Aratos von Soloi (um 310-250 v. Chr.) aus dem Prolog des Gedichtes Phainomena.
Eine phänomenale Erkenntnis: Wir sind mit Gott verwoben.

Es gibt unterschiedliche Phänomene der Schöpfung: erstaunliche, wunderbare, aber auch erschreckende. Und das genannte Phänomen, mit Gott ganz eng verbunden zu sein, hat von all dem etwas: Mit den Corona-Erfahrungen, die ich schlicht aus meinem Gottesbild nicht ausblenden kann, ist mir Gott in vielem noch unbekannter geworden - eine Seite Gottes, mit der ich verwoben bin, die mir fremd ist und mich verunsichert. Und gleichzeitig ist genau das mein großer Glaubenshalt: in Gott zu leben, zu weben und zu sein, zu ihm zu gehören, was auch immer geschieht.

Dass Gott auch mit Bedrohungen zu tun hat, mit Lebensbedrohung, davon reden viele Erzählungen der Bibel. Mich berührt das Bild vom Gekreuzigten so, weil Gott selbst in dieser Lebensbedro- hung sozusagen mit beidem verwoben ist: mit den Bedrohungen und mit den Bedrohten. Aber in all dem hat Gott doch eine phänomenale österliche Tendenz: „Die Einheit von Tod und Leben zugunsten des Lebens“ (Eberhardt Jüngel).

„Zugunsten des Lebens...“:
Gott ist mir nah. Näher als die Luft, die ich atme und in mich aufnehme. Im Blick auf das, was auszuhalten ist, auch was gerade brach liegt und vielleicht ganz neu und anders nach den Corona-Zäsuren wird, im Blick auf alle Verunsicherungen und Hoffnungen, und vor allem auch im Blick auf alles, was ich nicht verstehe: Es ist gut, dass ich mit dieser österlichen Tendenz in Gott bin! Phänomenal gut!

Pfarrer Peter Heiter

Zurück zur Übersicht