Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Hebräer 10,24

Es ist ja ein Modewort: die Achtsamkeit. Kein Lebensratgeber, kein Meditationsbuch kommt ohne den Begriff aus. Achtsamkeit bedeutet aufmerksam wahrnehmen, sich selbst als Sensorium nehmen. Der Monatsspruch für den Monat Oktober gibt uns den Auftrag achtzuhaben. Das hat auch mit genauem Wahrnehmen und Spüren zu tun. Doch es hat eine klare Richtung. Achthaben aufeinander. Darauf achten, was in einer Gruppe aus der Balance geraten ist. Was notwendig ist, damit die guten Werke gelingen und die Liebe. Wir wissen wohl alle, wie schwer das sein kann.

Doch beim Achthaben auf die anderen schwingt auch eine Gefahr mit. Ich meine zu wissen, was bei der anderen falsch läuft. Was ein Lösungsansatz wäre für ihr Problem. „Ich möchte jetzt nicht, dass du mich berätst, ich möchte, dass du mit mir fühlst!“ Das hat eine Freundin kürzlich zu mir gesagt. Die andere beraten ist einfacher, als ihren Schmerz mitaushalten. Lieber möchte ich ihr meine Sicht auf die Situation darlegen. Sich über die andere stellen wird nicht besser, wenn wir es scheinbar im Gefolge Jesu und der Bibel machen. Geistlicher Paternalismus ist nicht das gleiche wie Liebe.

In dem Abschnitt des Hebräerbriefs geht es auch um das beieinander Bleiben. Bei der christlichen Gemeinde bleiben. Im Vertrauen zu Christus bleiben. Der Weg hin zu dem, was nötig ist in der Situation, muss miteinander errungen werden. Die anderen sagen einem dann auch mal, wie meine Freundin, das sie etwas anderes brauchen als das, was ich anbiete.

Achthaben hat aber auch etwas gemeinsam mit der Achtsamkeit. Beides ist eine Wahrnehmungsschulung: Ich will darauf acht haben, was du erfährst und was dich belastet.

Da haben wir ja eine ganz schöne Aufgabe! Wahrscheinlich reicht der Oktober dafür nicht aus.

Ihre Pfarrerin Andrea Luiking

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